Mitteilungen Nr.120 | 06·2026

Liebe Freunde Edith Steins,
„Hab Mut, steh auf!“ – so das Motto des Katholikentags 2026. In der Edith-Stein-Messe mit Bischof Dr. Bertram Meier und im Workshop von P. Dr. Ulrich Dobhan dachten wir in Würzburg über Edith Stein als „mutiger Frau“ nach. Sie verglich sich mit der
biblischen Königin Esther, die sich für ihr jüdisches Volk einsetzte. War Edith Stein denn tatsächlich mutig durch öffentliche Worte und Taten im Klima des Antisemitismus? Schließlich wohnte sie ab Juli 1933 bereits im Karmel.

Zuvor hatte sie im Januar 1933 in Berlin vor nationalsozialistischen Beamten ihren Vortrag über „Jugendbildung im Licht des kath. Glaubens“ (ESGA 16) gehalten. Durch ihr mutiges Bekenntnis zu einer klaren katholischen Position war Edith Stein aufgefallen als Jemand, der nicht auf Regierungskurs ist. Im April wurde ihr Arbeitgeber, der Institutsleiter in Münster, durch einen NSDAP-Vertreter eingeschüchtert: „Sie wollen doch nicht etwa eine Jüdin Vorlesungen halten lassen?“ und Edith Stein wurde „gecancelt“, würde man heute sagen. Zu ihrem Charakter gehörte es, weder feige noch übermütig zu handeln. Vielmehr setzte sie gezielt, durchdacht und umsichtig mutige Zeichen und Worte ein. Um etwas Effektives zu tun, beschloss sie, sich an
den Papst in Rom zu wenden, der Macht und Einfluss hat. Sie mahnte ihn in ihrem Brief (ESGA 28, Br. 251), er solle sein Schweigen brechen. Edith Steins „Waffen“ des Widerstands waren ihre klugen Worte: Sie schrieb mutig gegen den nationalsozialistischen Zeitgeist in der Vorlesung 1932/33 „Aufbau der menschlichen Person“ (ESGA 14) und in Rezensionen (ESGA 16), wollte jedoch eher die katholischen Kräfte und Gedanken stärken als Satz für Satz die nationalsozialistische Ideologie widerlegen. Neben ihrem Brief an den Papst gab es einige wenige öffentliche Akte des Widerstands: in vorsichtigen Gesprächen mit Mitschwestern oder ihrem „Nein“ zu Hitler in den Wahlen. Von Echt aus musste sie sich mit ihrer Schwester Rosa auf einem Amt melden und grüßte, wie es damals üblich war, aber auf nationalsozialistische Besatzer provokativ wirken musste, mit „Gelobt sei Jesus Christus“.

Vor allem fand Edith Steins Widerstand im Gebet statt. Und sie ermahnte andere, in ihrer katholischen Position mutig „Stand zu
halten“, sich nicht zurückzuziehen trotz des Risikos, die Arbeit zu verlieren und sozial geächtet zu werden. So in einem Brief an eine ehemalige Schülerin, die aus dem kath. Lehrerinnen-Verein ausgetreten war: „‚Mussten‘ Sie wirklich aus dem Verein […] austreten […]? Ich weiß manche, die es nicht getan haben und doch noch im Amt sind. Und ich denke immer: Wenn nach dem Grundsatz gehandelt würde: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes [Mt 6, 33] …, dann stünde es sehr viel besser. Vieles wäre niemals geschehen, was heute beklagt wird, wenn man den Mut gehabt hätte, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen [Apg 5, 29], und sich Ihm ganz anzuvertrauen. Aber ich will Ihnen damit keinen Vorwurf machen. Ich weiß, wie schwer der Druck der Verhältnisse ist. Ich glaube nur, daß es keinen andern Weg zum Frieden gibt.“ (ESGA 3, Br. 523, 7.9.1937)

Ich wünsche uns allen von Herzen, dass wir mutig dem wachsenden Antisemitismus entgegen treten und dass uns der an Pfingsten verheißene Heilige Geist – in Edith Steins Worten – „eine Erleuchtung des Verstandes“ schenke, in der „neue Aufgaben sichtbar werden und zugleich die inneren Quellen aufbrechen, die Mut und Kraft geben, sie in Angriff zu nehmen und alle Hindernisse zu überwinden.“ (ESGA 14, 165f.)

Dr. Beate Beckmann-Zöller (Präsidentin der ESGD)


Seite 1. Spuren von Edith Stein in Augsburg.
Seite 2. Rückblick auf die Jahreskonferenz 2026 in Augsburg. 80. Geburtstag von Prof. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz
Seite 3. Bericht über Tagung zu Edith Steins Pädagogik.
Seite 4. Teilnahme am Katholikentag 2026 in Würzburg.

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