Zitate von Edith Stein

Original-Zitate Edith Steins

Hier finden Sie Original-Zitate Edith Steins, geordnet nach
verschiedenen Themen. Es gibt darunter ein bekanntes Zitat, das nicht
von Edith Stein ist, sondern ihr von ihrer Novizenmeisterin in den Mund
gelegt wurde. Es ist speziell gekennzeichnet. Alle Zitate finden Sie in
den PDFs auf der Homepage des „Edith-Stein-Archivs Köln“ unter „Edith
Stein Texte“. Hier werden jedoch die zitierfähigen Stellen in der ESGA
angegeben.

Edith-Stein-Gesamtausgabe (ESGA), Verlag Herder, Freiburg i. Br. 2000-2020

Wahrheit

„Gott ist die Wahrheit. Wer die Wahrheit sucht, der sucht Gott, ob es ihm klar ist oder nicht.“
(ESGA 3, Br. 542, 23.03.1938, über den Tod ihres „Meisters“, des Philosophen Edmund Husserl)

Herz

„Je dunkler es hier wird, desto mehr müssen wir das Herz öffnen für das Licht von oben.“
(ESGA 3, Br. 580 an Petra Brüning, 09.12.1938)

 Licht

„Der Stern von Bethlehem ist ein heller Stern in dunkler Nacht, auch heute noch.“
(ESGA 19, Das Weihnachtsgeheimnis, 4)

Vertrauen

„Was nicht in meinem Plan lag, das hat in Gottes Plan gelegen. Und je öfter mir so etwas begegnet, desto lebendiger wird in mir die Glaubensüberzeugung, dass es – von Gott her gesehen – keinen ‚Zufall‘ gibt.“
(ESGA 11/12, Endliches und ewiges Sein, 107)

Kreuz

„Kreuz und Nacht sind der Weg zum himmlischen Licht: das ist die Frohe Botschaft vom Kreuz.“
(ESGA 18, Kreuzeswissenschaft, 26)

Freundschaft mit Gott

„Es ist im Grunde nur eine kleine, einfache Wahrheit, die ich zu sagen habe: wie man es anfangen kann, an der Hand des Herrn zu leben.“
(ESGA 2, Br. 150, 28.04.1931)

Kind Gottes sein – Leben an des Vaters Hand – Sorgen loslassen

„Meinen Rat habe ich Ihnen schon gesagt: Zum Kinde werden und das Leben mit allem Forschen und Grübeln in des Vaters Hände legen.“

(ESGA 2, Br. 54 an Fritz Kaufmann, 6.1.1927)

„Gotteskind sein heißt an Gottes Hand gehen, Gottes Willen, nicht den eigenen Willen tun, alle Sorgen und alle Hoffnung in Gottes Hand legen, nicht mehr selbst um sich und seine Zukunft sorgen. Darauf beruhen die Freiheit und Fröhlichkeit des Gotteskindes.“

(ESGA 19, Das Weihnachtsgeheimnis, 9)

„Man lernt es schließlich auch, sich in dem unerbittlichen Licht der göttlichen Gegenwart zu ertragen und sich der göttlichen Barmherzigkeit zu überlassen, die mit all dem fertig werden kann, was unserer Kraft spottet […] ein Leben an Gottes Hand und aus Gottes Hand, in der Einfalt des Kindes und der Demut des Zöllners.“

(ESGA 19, Das Weihnachtsgeheimnis, 13)

Weite

„Daß ich Ihnen meinen Weg nicht in der Meinung zu schildern suchte, es sei der Weg, war wohl deutlich. Ich bin gründlich überzeugt, daß es so viel Wege nach Rom gibt wie Menschenköpfe und -herzen.“

(ESGA 4, Briefe an Roman Ingarden, Br. 115, 8.11.1927)

„Es hat mir immer sehr fern gelegen zu denken, dass Gottes Barmherzigkeit sich an die Grenzen der sichtbaren Kirche binde.“

(ESGA 3, Br. 542, 23.03.1938)

Die „einsame, berufstätige Frau“, die „viele Tagesarbeit, lieblose, evtl. gemeine Umgebung, Spott“ ertragen muss, findet sich in der eucharistischen Anbetung „beim Heiland über alles hinaus- und hinaufgehoben in sein Reich, [sie wird] weit und frei bis zur Liebe für ihre Peiniger, geadelt als Braut des Königs und als solche ehrfurchteinflößend.“

(ESGA 16, Eucharistische Erziehung, Vortragskonzept, 68)

Gott schafft Raum

„Wenn Sie Gott nur die Arme entgegenstrecken, wird Er Sie über alles Geröll, was im Wege ist, hinwegheben.“

(ESGA 3, Br. 577, 10.11.1938)

 Freiheit

Gottes Freiheit, die wir Allmacht nennen, findet an der menschlichen Freiheit eine Grenze.“

(ESGA 9, 32)

„Es ist das große Geheimnis der persönlichen Freiheit, dass Gott selbst davor Halt macht.“

(ESGA 18, 134f.)

„Die Gnade ist der Geist Gottes, der sich zur Seele des Menschen herabsenkt. Die Gnade kann darin keine Stätte finden, wenn sie nicht frei darin aufgenommen wird. Das ist eine harte Wahrheit.“

(ESGA 9, 32)

 Erneuerung durch den Heiligen Geist

„Darum ist die Seele, die sich kraft ihrer Freiheit auf den Geist Gottes oder auf das Gnadenleben stützt, zu einer vollständigen Erneuerung und Umwandlung fähig.“

(ESGA 11/12, 375)

„Es hat Menschen gegeben, die in einem plötzlichen Wandel ihrer Person das Einwirken göttlicher Gnade zu erfahren meinten, andere, die sich in ihrem Handeln von einem Schutzgeist geleitet fühlten (man braucht nicht gerade an Sokrates’ daimonion zu denken, das ja wohl nicht so wörtlich zu verstehen ist). Ob hier echte Erfahrung vorliegt, ob jene Unklarheit über die eignen Motive, die wir bei der Betrachtung der Idole der Selbsterkenntnis fanden, wer will es entscheiden? Aber ist nicht mit den Trugbildern solcher Erfahrung auch schon die Wesensmöglichkeit echter Erfahrung auf diesem Gebiete gegeben? Jedenfalls scheint mir das Studium des religiösen Bewußtseins als geeignetstes Mittel zur Beantwortung unserer Frage, wie andrerseits ihre Beantwortung von höchstem Interesse für das religiöse Gebiet ist.“

(ESGA 5, 135f.)

„Man wird zugeben müssen, daß Gott sich über die Reue eines Sünders freut, ohne Herzklopfen oder andere ‚Organempfindungen‘ zu verspüren. (Eine Betrachtung, die unabhängig vom Glauben an die Existenz Gottes möglich ist.)“

(ESGA 5, 67)

 Entscheidungen

„Jedesmal, wenn eine Person eine ganz freie Entscheidung fällt […], vollzieht sie einen Akt aus dem Zentrum und der Tiefe ihres Seins […]. Darum sind die Entscheidungen Gipfelpunkte im Leben der Person. […] In der Scheu vor Entscheidungen […] steckt wohl ein dunkles Wissen darum, daß man damit „sein Schicksal schmiedet“; allerdings wird dabei verkannt, daß man […] auch mit der Unterlassung und mit dem Ausweichen vor der Entscheidung sein Sein bestimmt.“

(ESGA 10, 137-38)

Entscheidung für oder gegen Gott

„Es ist notwendig, dass wir zu einer Entscheidung für oder gegen Gott kommen. Das wird von uns verlangt: uns zu entscheiden ohne einen Garantieschein. Das ist das große Wagnis des Glaubens. Der Weg geht vom Glauben zum Schauen, nicht umgekehrt. Wer zu stolz ist, durch dies enge Pförtchen zu gehen, der kommt nicht hinein. Wer aber hindurchgeht, der gelangt doch schon in diesem Leben zu immer hellerer Klarheit … “.

(ESGA 4, Br. 117, 20.11.1927)

„Oder ein überzeugter Atheist wird in einem religiösen Erlebnis der Existenz Gottes inne. Dem Glauben kann er sich nicht entziehen, aber er stellt sich nicht auf seinen Boden, er läßt ihn nicht in sich wirksam werden, er bleibt unbeirrt bei seiner ‚wissenschaftlichen Weltanschauung‘, die durch den unmodifizierten Glauben über den Haufen geworden würde.“

(ESGA 6, 43)

„Wenn es nicht als unmöglich abzuweisen ist, daß jemand ohne persönliche Schuld ungläubig (im Sinne einer völligen Unkenntnis Gottes) sein könnte und dadurch unzugänglich für die Bildersprache der Heiligen Schrift, so ist doch nicht jede menschliche Schuld abzuweisen. Wenn wir von der Erbsünde hier absehen und von der Trübung des Geistes, die sie zur Folge hat, so wächst doch kein Mensch völlig abgeschnitten von andern auf, und es fällt der ‚Gesellschaft‘ zur Last, wenn sie ihm das Zeugnis schuldig geblieben ist, das ihm die Augen öffnen konnte. In den meisten Fällen wird aber auch der ‚Ungläubige‘ selbst mit verantwortlich sein für seine Blindheit. Es kann ja kaum jemand so leben, daß nicht irgendwelche Zeugnisse von Gott ihn erreichen würden. Wenn er sich ihnen gegenüber verschließt oder wenigstens sich nicht die Mühe nimmt, ihnen nachzugehen, so ist das seine eigene Schuld, und wenn in der Folge die ‚Verblendung‘ eintritt, d. h. statt des bloß tatsächlichen Nicht-Erkennens die Unfähigkeit zu erkennen, so fällt auch das auf ihn zurück. Erst recht natürlich, wenn es sich nicht nur um tatsächlichen Unglauben handelt, sondern um grundsätzliche Gottlosigkeit oder Gottesfeindschaft. […] Bei dem ‚schuldlos Ungläubigen‘ leuchtet es ein, daß er tatsächlich nicht durch den Schleier sehen kann. […] Wer aus Trägheit und Stumpfheit des Geistes oder Leichtfertigkeit zu keiner Gotteserkenntnis kommt, bei dem ist schon eher das Nicht-Sehen-Können als Strafzustand zu begreifen. Vor allem aber ist das Geschlagenwerden mit Verblendung zu verstehen bei Böswilligen, die nicht glauben wollen und die Heilige Schrift lesen, um sie selbst als Waffe gegen die offenbarte Wahrheit zu benutzen.“

(ESGA 17, 53f.)

Geborgenheit in Gott – geistige Wiedergeburt

„Das Ruhen in Gott ist gegenüber dem Versagen der Aktivität aus Mangel an Lebenskraft etwas völlig Neues und Eigenartiges. Jenes war Totenstille. An ihre Stelle tritt nun das Gefühl des Geborgenseins, des aller Sorge und Verantwortung und Verpflichtung zum Handeln Enthobenseins. Und indem ich mich diesem Gefühl hingebe, beginnt nach und nach neues Leben mich zu erfüllen und mich – ohne alle willentliche Anspannung – zu neuer Betätigung zu treiben. Dieser belebende Zustrom erscheint als Ausfluß einer Tätigkeit und einer Kraft, die nicht die meine ist und, ohne an die meine irgendwelche Anforderungen zu stellen, in mir wirksam wird. Einzige Voraussetzung für solche geistige Wiedergeburt scheint eine gewisse Aufnahmefähigkeit zu sein, wie sie in der dem psychischen Mechanismus enthobenen Struktur der Person gründet.“

(ESGA 6, 73f.)

„In dem Gefühl der Geborgenheit, das uns oft gerade in ‚verzweifelter‘ Lage ergreift, wenn unser Verstand keinen möglichen Ausweg mehr sieht und wenn wir auf der ganzen Welt keinen Menschen mehr wissen, der den Willen oder die Macht hätte, uns zu raten und zu helfen, in diesem Gefühl der Geborgenheit werden wir uns [sic!] der Existenz einer geistigen Macht inne, die uns keine äußere Erfahrung lehrt. Wir wissen nicht, was weiter aus uns werden soll, vor uns scheint ein Abgrund zu gähnen und das Leben reißt uns unerbittlich hinein, denn es geht vorwärts und duldet keinen Schritt zurück; aber indem wir zu stürzen meinen, fühlen wir uns ‚in Gottes Hand‘, die uns trägt und nicht fallen lässt. Und nicht nur seine Existenz wird uns in solchem Erleben offenbar, auch was er ist, sein Wesen, wird in seinen letzten Ausstrahlungen sichtbar: die Kraft, die uns stützt, wo alle Menschenkräfte versagen, die uns neues Leben schenkt, wenn wir innerlich erstorben zu sein meinen, die unseren Willen stählt, wenn er zu erlahmen droht – diese Kraft gehört einem allmächtigen Wesen. Das Vertrauen, das uns einen Sinn unseres Lebens annehmen lässt, auch wo menschlicher Verstand ihn nicht zu enträtseln vermag, lehrt uns seine Weisheit kennen. Und die Zuversicht, daß dieser Sinn ein Heilssinn ist, daß alles, auch das Schwerste, letzten Endes doch unserem Heil dient, und ferner, daß dieses höchste Wesen sich unser noch erbarmt, wenn die Menschen uns aufgeben, daß es keine schlechthinnige Verworfenheit kennt, dies alles zeigt uns seine Allgüte.“

(ESGA 8, 171f.)

„Aber wenn ich auf jene Zeit [die Freundschaft mit Roman Ingarden und Assistenztätigkeit für Husserl in Freiburg] zurückblicke, dann steht immer im Vordergrund die trostlose innere Verfassung, in der ich mich befand, diese unsagbare Verwirrung und Dunkelheit. (Ich weiß nicht, ob Sie da überhaupt so recht hineingesehen haben. Und verantwortlich dafür war wirklich nur zum geringsten Teil, was ich in Freiburg erlebte. Es war eine lange vorbereitete Krisis.) Mir ist dann etwa so wie einem, der in Gefahr war zu ertrinken, und dem lange nachher im hellen, warmen Zimmer, wo er ganz geborgen ist in Sicherheit und rings umgeben von Liebe und Fürsorge und hilfreichen Händen, auf einmal das Bild des dunklen, kalten Wellengrabs vor der Seele steht. Was soll man dann anders fühlen als Schauder und dazu eine grenzenlose Dankbarkeit gegen den starken Arm, der einen wunderbar ergriffen und ans sichere Land getragen hat?“

(ESGA 4, Br. 96, 13.12.1925)

 Innerer Friede

„Es hat mit manchen Wandlungen noch Jahre gedauert, bis ich den Ort gefunden habe, wo Ruhe und Frieden ist für alle unruhigen Herzen.“

(ESGA 2, Br. 45, 13.09.1925)

„Die rückhaltlose Hingabe an Jesus Christus ist die Quelle jenes inneren Friedens und Glücks, dessen äußerer Widerschein die immer gleichbleibende Heiterkeit, die stille Fröhlichkeit ist.“

(ESGA 16, 101)

„Aufgabe des Menschen ist es, „mit allen seinen Kräften“ Gott zu lieben und ihm zu dienen: d.h. aber mit den Kräften, die einem Gott gegeben hat und mit keinen andern. Sich in die Grenzen seiner Natur zu fügen, das gehört wesentlich zum Gehorsam gegenüber dem göttlichen Willen und zum inneren Frieden.“

(ESGA 16, 83)

„Und wenn keinerlei äußere Ruhe zu erreichen ist, […] dann wenigstens innerlich für einen Augenblick sich gegen alles andere abschließen und zum Herrn flüchten. Er ist ja da und kann uns in einem einzigen Augenblick geben, was wir brauchen. So wird es den Rest des Tages weitergehen, vielleicht in großer Müdigkeit und Mühseligkeit, aber in Frieden. Und wenn die Nacht kommt und der Rückblick zeigt, daß alles Stückwerk war und vieles ungetan geblieben ist, was man vorhatte, wenn so manches tiefe Beschämung und Reue weckt: dann alles nehmen, wie es ist, es in Gottes Hände legen und Ihm überlassen. So wird man in Ihm ruhen können, wirklich ruhen und den neuen Tag wie ein neues Leben beginnen.“

(ESGA 13, 44f.)

„Ruhe zu finden […] gelingt, wenn die anderen Forderungen erfüllt sind: wenn die Seele von sich selbst leer und in sich geschlossen ist. Ja, wenn das eigene, geräuschvolle Selbst ganz fort ist, dann ist freilich Raum und Stille, daß anderes Platz finden und sich vernehmbar machen kann.“

(ESGA 13, 35)

 Frieden in den Grenzen der eigenen Natur

„Aufgabe des Menschen ist es, ‚mit allen seinen Kräften‘ Gott zu lieben und ihm zu dienen: d.h. aber mit den Kräften, die einem Gott gegeben hat und mit keinen andern. Sich in die Grenzen seiner Natur zu fügen, das gehört wesentlich zum Gehorsam gegenüber dem göttlichen Willen und zum inneren Frieden.“

(ESGA 16, 83)

 Gebet

„So sind auch meine Betrachtungen keine hohen Geistesflüge, sondern meist sehr bescheiden und einfach. Das Beste daran ist die Dankbarkeit dafür, daß mir dieser Platz als irdische Heimat und Stufe zur ewigen Heimat geschenkt ist.“

(ESGA 3, Br. 342, an M. Petra Brüning, 17.10.1934)

„Daß es möglich sei, Wissenschaft als Gottesdienst zu betreiben, ist mir zuerst so recht am hl. Thomas aufgegangen. […] Und nur daraufhin habe ich mich entschließen können, wieder ernstlich an wissenschaftliche Arbeit heranzugehen. In der Zeit unmittelbar vor und noch eine ganze Weile nach meiner Konversion habe ich nämlich gemeint, ein religiöses Leben führen heiße, alles Irdische aufgeben und nur im Gedanken an göttliche Dinge leben. Allmählich habe ich aber einsehen gelernt, daß in dieser Welt anderes von uns verlangt wird und daß selbst im beschaulichsten Leben die Verbindung mit der Welt nicht durchschnitten werden darf; ich glaube sogar, je tiefer jemand in Gott hineingezogen wird, desto mehr muß er auch in diesem Sinne ‚aus sich herausgehen‘, d.h. in die Welt hinein, um das göttliche Leben in sie hineinzutragen.“

(ESGA 2, Br. 60, an Callista Kopf, 12.2.1928)

Was „das Gebet der Kirche ist: Ehre und Verherrlichung des Dreifaltigen Gottes durch, mit und in Christus. […] Das Gebet der Kirche ist das Gebet des fortlebenden Christus. Es hat sein Urbild im Gebet Christi während seines menschlichen Lebens.“

(ESGA 19, 45)

„Jedes echte Gebet ist Gebet der Kirche: durch jedes echte Gebet geschieht etwas in der Kirche, und es ist die Kirche selbst, die darin betet, denn es ist der in ihr lebende Heilige Geist, der in jeder einzelnen Seele ‚für uns bittet mit unaussprechlichen Seufzern.‘ (Röm 8, 26) Eben das ist ‚echtes‘ Gebet: denn ‚niemand kann sagen ‚Herr Jesus‘ außer im Heiligen Geist.‘ (1, Kor 12, 3) Was wäre Gebet der Kirche, wenn nicht die Hingabe der großen Liebenden an den Gott, der die Liebe ist? Die schrankenlose liebende Hingabe an Gott und die göttliche Gegengabe, die volle und dauernde Vereinigung, das ist die höchste Erhebung des Herzens, die uns erreichbar ist, die höchste Stufe des Gebetes. Die Seelen, die sie erreicht haben, sind wahrhaft das Herz der Kirche“.

(ESGA 19, Das Gebet der Kirche, 55)

Wirksamkeit von Gebet

„Es ist manchmal recht beschämend für uns [Schwestern im Karmel], wenn man uns besondere Gebetskraft und Heiligkeit zutraut. Wir können an uns gar nichts Außerordentliches entdecken. Trotzdem scheint es so zu sein, dass der Herr denen gern hilft, die sich an uns wenden. Es ist wohl der Lohn für ihr Vertrauen, vielleicht auch der Lohn dafür, dass wir uns Ihm geschenkt haben. Wenn aber das Gebet für Sie wirken soll, dann müssen Sie auch das Ihre tun: nämlich vernünftig sein und für Ihre Gesundheit das Nötige tun. Es gefällt dem lieben Gott sehr gut, wenn man Anordnungen des Arztes und der Pflegerin so befolgt, als wenn es Seine eigenen wären; und wenn man in einer geschenkten Ruhezeit wirklich ruht und alle Sorgen Ihm überlässt.“

(ESGA 3, Br. 343, an Gisela Naegeli, 1934)

 Gesammelt im Innern leben

Denn je „gesammelter ein Mensch im Innersten seiner Seele lebt, um so stärker ist diese Ausstrahlung, die von ihm ausgeht und andere in seinen Bann zieht“.

(ESGA 11/12, 371)

„Es ist eine unendliche Welt, die sich ganz neu auftut, wenn man einmal anfängt, statt nach außen nach innen zu leben. Alle Realitäten, mit denen man vorher zu tun hatte, werden transparent, und die eigentlich tragenden und bewegenden Kräfte werden spürbar. Wie belanglos erscheinen die Konflikte, mit denen man vorher zu tun hatte. Und welche Fülle des Lebens mit Leiden und Seligkeiten, wie sie die irdische Welt nicht kennt und nicht begreifen kann, faßt ein einziger, nach außen fast ereignisloser Tag eines gänzlich unscheinbaren Menschendaseins. Und wie seltsam kommt man sich vor, wenn man mit Menschen, die nur die Oberfläche sehen, als einer von ihnen lebt und, ohne daß sie es ahnen oder merken, all dies andre in sich und um sich hat.“

(ESGA 4, Br. 115, 8.11.1927)

„So [durch den Akt der Einfühlung] erfaßt der Mensch das Seelenleben seines Mitmenschen, so erfaßt er aber auch als Gläubiger die Liebe, den Zorn, das Gebot seines Gottes, und nicht anders vermag Gott sein Leben zu erfassen. Gott als im Besitze vollkommener Erkenntnis wird sich über die Erlebnisse der Menschen nicht täuschen, wie sich die Menschen untereinander über ihre Erlebnisse täuschen. Aber auch für ihn werden ihre Erlebnisse nicht zu eigenen und nehmen nicht dieselbe Art der Gegebenheit an.“

(ESGA 5, 20)

 Persönliche Berührung durch Gott – Gott persönlich kennenlernen

„Aber wichtiger noch ist das innere Berührtwerden von Gott ohne Wort und Bild. Denn in dieser persönlichen Begegnung findet das intime Kennenlernen Gottes statt, das erst die Möglichkeit gibt, ‚das Bild nach dem Original zu gestalten‘.“

(ESGA 17, 49)

Wer aus und in lebendigem Glauben Gott kennt und liebt, der wird begierig sein, Ihn von immer neuen Seiten und in neuen ‚Zügen‘ kennenzulernen, und wird immer wieder zur Heiligen Schrift greifen, die ihm das ermöglicht. In gewissem Sinn findet auch hier ein Wiederkennen statt. Der Gläubige hat ja schon ein ‚Bild Gottes‘ und bringt es mit den neuen Bildern zur Deckung, in denen er Gott dargestellt findet. Eben dadurch wird es ihm möglich, sein ‚Bild‘ aus diesen Bildern um neue Züge zu bereichern.“

(ESGA 17, 50)

„Und gerade dies, womit der Glaube über sich selbst hinausgeht – der hl. Thomas nennt ihn ‚den Anfang des ewigen Lebens in uns‘ –, macht es, daß wir ‚Gott wiedererkennen‘, wenn Er plötzlich seine Gegenwart spüren läßt oder gar sich sichtbar zeigt, und daß wir auch ohne eigene Erfahrungserkenntnis verstehen können, was andere aus eigener Gotteserfahrung heraus sprechen.“

(ESGA 17, 52)

Unerschöpfliche Kraftquelle

„Diese unerschöpfliche Kraftquelle ist Gottes Gnade. Es kommt nur darauf an, dass man die Wege zu ihr kennt und immer wieder geht. Ein Weg steht jedem Gläubigen zu jeder Zeit offen: der Weg des Gebets. Wer Ernst macht mit dem Glauben an das ‚Bittet und ihr werdet empfangen‘ (Mt 7,7), dem wird in jeder Not, wenn auch nicht immer sofort die Abhilfe, die er sich denkt und wünscht, zuteil werden, so doch Trost und Mut, um auszuharren.“

(ESGA 13, 107)

Göttliche Gnade

„Doch es gibt einen Punkt, von dem aus die Gegensätze zu begreifen sind und sich schließlich in einer Harmonie auflösen, die erst jenem Sehnen nach Natürlichkeit wahre Erfüllung gibt. […] Das ist das Licht und die Kraft der göttlichen Gnade.“

(ESGA 19, 42f.)

„Die Qualitäten der Seele aber kann man sich nicht anerziehen oder abgewöhnen. Wenn in dieser Sphäre ein Wandel eintritt, so ist er nicht das Ergebnis einer ‚Entwicklung‘, sondern als Verwandlung durch eine ‚jenseitige‘ Macht anzusehen, d. h. eine außerhalb der Person und aller natürlichen Zusammenhänge, in die sie verflochten ist, gelegene.“

(ESGA 6, 195)

Heiligkeit

„Es scheint mir jetzt manchmal, als ob Ihr mich alle gewaltig überschätztet, und ich fühle mich recht beschämt dadurch. Ich bin ja durchaus keine Heilige und habe ebensogut meine schwachen Stunden wie jeder andere. Übrigens glaube ich, dass es auch für einen Heiligen nicht erforderlich ist, allen Wünschen und Hoffnungen und allen Freuden der Welt zu entsagen. Im Gegenteil: man ist auf der Welt, um zu leben, und soll alles Schöne, was es gibt, dankbar hinnehmen. Man soll nur nicht verzweifeln, wenn es anders geht, als man sich’s gedacht hat. Man soll dann an das denken, was einem noch bleibt, und auch daran, dass man hier doch schließlich bloß zu Besuch ist und das alles, was einen jetzt so schrecklich bedrückt, am Ende gar nicht so wichtig ist oder doch eine ganz andere Bedeutung hat, als man jetzt erkennen kann.“

(ESGA 2, Br. 11, an Erna Stein, 23.7.1918, im I. Weltkrieg; Edith Stein hatte sich im Laufe diesen Jahres zu einem „positiven Christentum durchgerungen“, ESGA 4, Br. 53, 10.10.1918)

Liebe

„Das innerste Wesen der Liebe ist Hingabe. Gott, der die Liebe ist, verschenkt sich an die Geschöpfe, die Er zur Liebe geschaffen hat.“

(ESGA 11/12, 352)

„Die natürliche Liebe gilt diesem und jenem, der uns durch die Bande des Blutes verbunden oder durch Verwandtschaft des Charakters oder gemeinsame Interessen nahesteht. Die andern sind ‚Fremde‘, die einen ‚nichts angehen‘, einem eventuell sogar durch ihr Wesen widerwärtig sind, so daß man sie sich möglichst weit vom Leibe hält. Für den Christen gibt es keinen ‚fremden Menschen‘. Der ist jeweils der ‚Nächste‘, den wir vor uns haben und der eben unser am meisten bedarf; gleichgültig, ob er verwandt ist oder nicht, ob wir ihn ‚mögen‘ oder nicht, ob er der Hilfe ‚moralisch würdig‘ ist oder nicht. Die Liebe Christi kennt keine Grenzen, sie hört nimmer auf, sie schaudert nicht zurück vor Häßlichkeit und Schmutz.“

(ESGA 19, Das Weihnachtsgeheimnis, 8)

Die frohe Botschaft vom Kreuz

Kreuz und Nacht sind der Weg zum himmlischen Licht: das ist die Frohe Botschaft vom Kreuz.“

(ESGA 18, 26)

„Ave Crux spes unica!“ – „Sei gegrüßt, o Kreuz, du einzige Hoffnung!“

(ESGA 16, 138; ESGA 3, Br. 710, an Antonia Engelmann (1941), ESGA 20, 118)

„Das neue Leben ist aus dem Tod geboren, die Herrlichkeit der Auferstehung ist der Lohn für das treue Aushalten in Nacht und Kreuz.“

(ESGA 18, Kreuzeswissenschaft, 157)

Unsere Berufung: Licht bringen

„Wozu wir berufen sind: ins Dunkel der Zeit das Licht der Ewigkeit hineinzutragen, unter stürzenden Trümmern hervorzuholen, was zur Dauer bestimmt ist, und den neuen Tempel zu bauen und alle Klagen zum Verstummen zu bringen durch den hellen Jubel des österlichen Alleluja.“

(ESGA 16, Bildung, 139)

 Glaube und Vernunft

„Im Gunde ist dies das Ziel aller Theologie: den Weg zu Gott selbst freizumachen.“

(ESGA 17, 51)

„[…] es gibt nach meiner Überzeugung – nicht nur nach der religiösen, sondern auch nach der philosophischen – Dinge, die jenseits der Grenzen natürlicher Erkenntnismöglichkeiten liegen. Die Philosophie, als Wissenschaft aus rein natürlicher Erkenntnis verstanden, wie Sie sie ja zweifellos auffassen, kann gerade noch diese ihre Grenzen erkennen. Dann ist es aber philosophisch konsequent, die Grenzen zu respektieren, und widersinnig, jenseits davon mit rein philosophischen Mitteln etwas herausbringen zu wollen.“

(ESGA 4, Br. 121, 10.2.1928)

Vielleicht habe ich bei der Darstellung meines Weges das Intellektuelle zu schlecht wegkommen lassen. In der jahrelangen Vorbereitungszeit hat es sicher stark mitgewirkt. Doch bewußtermaßen entscheidend war das reale Geschehen in mir (bitte: reales Geschehen, nicht ‚Gefühl‘) Hand in Hand mit dem konkreten Bild echten Christenlebens in sprechenden Zeugnissen (Augustin, Franziskus, Teresa).“

(ESGA 4, Br. 115, 8.11.1927)

So wenig Katholizismus eine ‚Gefühlsreligion‘ ist, so sehr es sich gerade hier um die Frage der Wahrheit handelt, so sehr ist er doch auch Lebens- und Herzenssache. Und wenn Christus der Mittelpunkt meines Lebens ist und die Kirche Christi meine Heimat, wie soll es mir dann nicht schwer sein, Briefe zu schreiben, in denen ich sorgfältig darauf achten muß, daß ja nichts von dem hineinfließt, wovon mein Herz voll ist, damit ich nicht Anstoß errege und feindselige Gefühle erwecke gegen das, was mir lieb und heilig ist?“

(ESGA 4, Br. 96, 13.12.1925)

Freundschaft

„Und wie es auch kommen mag – zwischen uns persönlich bleibt alles unverändert. Ich hoffe, die Mauer wird nie so hoch, daß wir nicht mehr mit den Händen hinüberlangen.“

(ESGA 4, Br. 18, 31.5.1917)

 

„Und […] ich glaube fest an Deine Fähigkeit, wieder zu vollem Leben zu erwachen.  Und ich wünsche Dir ein Leben mit aller Fülle und allem Reichtum, den die Welt zu bieten hat. Ich möchte die Zauberkräfte besitzen, die der Meister gestern von mir verlangte, um es Dir selbst schaffen zu können.“

(ESGA 4, Br. 25, 24.12.1917)

Seine Bestimmung erfüllen

„Jeder, der im Licht der Ewigkeit lebt, kann seine Bestimmung erfüllen, gleichgültig ob in der Ehe, im Ordensstand oder in einem weltlichen Beruf.“

(ESGA 13, 114)

Keine Frau ist ja nur „Frau“

„Aber auch individuelle Begabung und Neigung kann zur Betätigung auf den verschiedensten Gebieten führen. Keine Frau ist ja nur ‚Frau‘, jede hat ihre individuelle Eigenart und Anlage so gut wie der Mann und in dieser Anlage die Befähigung zu dieser oder jener Berufstätigkeit, künstlerischer, wissenschaftlicher, technischer Art u.s.w. Prinzipiell kann die individuelle Anlage auf jedes beliebige Sachgebiet hinweisen, auch auf solche, die der weiblichen Eigenart fern liegen.“

(ESGA 13, 22)

Um von einem „Frauenberuf“ in „sinnvoller Weise“ sprechen zu können, „so werden es Berufe sein müssen, deren sachliche Aufgaben auf die weibliche Eigenart angewiesen sind, d. h. alle Berufe, bei denen es sich um Pflege, Erziehung, Fürsorge, um einfühlendes Verstehen handelt: also der Beruf der Ärztin und Krankenschwester, der Lehrerin und Erzieherin, der Hausangestellten, die ganze Reihe der modernen sozialen Berufe; in der Wissenschaft die Zweige, die mit dem Konkreten, Lebendig-Persönlichen zu tun haben, d. h. die Geisteswissenschaften, und die Arbeiten, die einen helfenden und dienenden Charakter haben, Übersetzung und Herausgabe, evtl. auch verständnisvolle Leitung fremder Arbeiten. – Es leuchtet ein, daß für all das im Grunde dieselbe Seelenhaltung erforderlich ist, deren die Gattin und Mutter bedarf, nur ausgedehnt auf einen weiteren Wirkungskreis und meist auf einen wechselnden Personenbereich und darum weitgehend losgelöst von der vitalen Bindung, der Blutzusammengehörigkeit, und stärker ins Geistige erhoben. Damit entfällt freilich auch viel von den natürlichen Triebkräften, die in der vitalen Gemeinschaft liegen, und es ist umso größere seelische Opferkraft notwendig.“

(ESGA 13, 22f.)

„Der ursprünglichen Ordnung nach ist ihr Platz [der Platz der Frau] an der Seite des Mannes zur Unterwerfung der Erde und zur Betreuung der Nachkommenschaft. Aber ihr Leib und ihre Seele sind weniger zu Kampf und Eroberung ausgerüstet als zum Hegen, Hüten und Bewahren. Von der dreifachen Einstellung zur Welt: der erkennenden, der genießenden, der schöpferisch gestaltenden liegt ihr durchschnittlich die 2. am meisten; sie scheint in höherem Maße zu ehrfürchtiger Freude an den Geschöpfen befähigt als der Mann (dabei ist zu berücksichtigen, daß diese ehrfürchtige Freude eine spezifische Erkenntnis der Güter voraussetzt, die von rationaler Erkenntnis verschieden, aber doch eine eigene geistige Funktion ist, in der offenbar eine besondere Stärke der Frau liegt). Augenscheinlich hängt das zusammen mit der Aufgabe, die sie in der Bewahrung und Förderung der Nachkommenschaft hat: ein Sinn für die Bedeutung des Organischen, des Ganzen, der spezifischen Werte, des Individuellen. Das macht sie feinfühlig und hellhörig für alles, was werden und wachsen und sich entfalten will und für all das Berücksichtigung seiner Eigengesetzlichkeit verlangt. Dieser Sinn für das Organische und Eigengesetzliche kommt nicht nur der Nachkommenschaft zugute, sondern allen Geschöpfen; ganz besonders auch dem Mann: er macht sie zur verständnisvollen Gefährtin und Gehilfin bei den Bestrebungen eines andern. Die Ergänzung von Mann und Frau, wie sie der ursprünglichen Ordnung der Natur nach sein sollte, hebt sich danach ziemlich deutlich heraus: beim Mann erscheint der Herrscherberuf als der primäre, der Vaterberuf als der sekundäre (dem Herrscherberuf nicht unter- oder neben-, sondern eingeordnet); bei der Frau der Mutterberuf als der primäre, der Anteil an der Herrschaft als das Sekundäre (in gewisser Weise im Mutterberuf eingeschlossen).“

(ESGA 13, 68f.)

Zusammenwirken von Frauen und Männern

„Erst die rein entfaltete männliche und weibliche Eigenart ergibt die höchste erreichbare Gottebenbildlichkeit und die stärkste Durchdringung des gesamten irdischen Lebens mit göttlichem Leben.“

(ESGA 13, 29)

Berufungen im Reich Gottes – Unterschiede für Männer und Frauen (Priesterweihe für Frauen?)

„Von Priestern und Ordensleuten sagt man, auch dem gewöhnlichen Sprachgebrauch nach, daß sie besonders ‚berufen‘ sein müßten, das heißt, daß ein besonderer Ruf Gottes an sie ergangen sein müsse. Gibt es hierin einen Unterschied für Mann und Frau? Zum Ordensstand sind zu allen Zeiten Frauen wie Männer berufen worden, und wenn wir die mannigfach verzweigten Formen des heutigen Ordenslebens betrachten, die vielfältige äußere Liebestätigkeit, die in unserer Zeit auch von den weiblichen Orden und Kongregationen ausgeübt wird, so sehen wir einen wesentlichen Unterschied eigentlich nur noch darin, daß die eigentlich priesterliche Tätigkeit den Männern vorbehalten ist.

Damit stehen wir vor der schwierigen und vielumstrittenen Frage des Priestertums der Frau. Wenn wir das Verhalten des Herrn selbst in diesem Punkte betrachten, so sehen wir, daß er freie Liebesdienste für sich und die Seinen von Frauen annimmt, daß unter seinen Jüngern und nächsten Vertrauten Frauen sind – aber das Priestertum hat er ihnen nicht verliehen, auch nicht seiner Mutter, der Königin der Apostel, die an menschlicher Vollkommenheit und Gnadenfülle über die gesamte Menschheit erhoben war.

Die Urkirche kennt eine mannigfache caritative Tätigkeit der Frauen in den Gemeinden, eine starke apostolische Wirksamkeit der Bekennerinnen und Martyrinnen, sie kennt die liturgische Jungfrauenweihe und auch ein geweihtes kirchliches Amt, das Frauendiakonat, mit einer eigenen Diakonatsweihe – aber das Priestertum der Frau hat auch sie nicht eingeführt. Die weitere geschichtliche Entwicklung bringt eine Verdrängung der Frauen aus diesen Ämtern und ein allmähliches Sinken ihrer kirchenrechtlichen Stellung – wie es scheint, unter dem Einfluß alttestamentlicher und römisch-rechtlicher Vorstellungen. Die neueste Zeit zeigt einen Wandel durch das starke Verlangen nach weiblichen Kräften für kirchlich-caritative Arbeit und Seelsorgshilfe. Von weiblicher Seite regen sich Bestrebungen, dieser Betätigung wieder den Charakter eines geweihten kirchlichen Amtes zu geben, und es mag wohl sein, daß diesem Verlangen eines Tages Gehör gegeben wird. Ob das dann der erste Schritt auf einem Wege wäre, der schließlich zum Priestertum der Frau führte, ist die Frage. Dogmatisch scheint mir nichts im Wege zu stehen, was es der Kirche verbieten könnte, eine solche bislang unerhörte Neuerung durchzuführen. Ob es praktisch sich empfehlen würde, das läßt mancherlei Gründe für und wider zu.

Dagegen spricht die gesamte Tradition von den Urzeiten bis heute, für mein Gefühl aber noch mehr als dies die geheimnisvolle Tatsache, die ich schon früher betonte: daß Christus als Menschensohn auf die Erde kam, daß darum das erste Geschöpf auf Erden, das in einem ausgezeichneten Sinn nach Gottes Bild geschaffen wurde, ein Mann war – das scheint mir darauf hinzuweisen, daß er zu seinen amtlichen Stellvertretern auf Erden nur Männer einsetzen wollte. Wie er aber einer Frau sich so nahe verbunden hat wie keinem andern Wesen auf Erden, und sie so sehr zu seinem Bilde geschaffen wie keinen Menschen vorher und nachher, wie er ihr für alle Ewigkeit eine Stellung in der Kirche gegeben hat wie keinem andern Menschen, so hat er zu allen Zeiten Frauen zur innigsten Vereinigung mit sich berufen, als Sendboten seiner Liebe, als Verkünderinnen seines Willens an Könige und Päpste, als Wegbereiterinnen seiner Herrschaft in den Herzen der Menschen: einen höheren Beruf als den der sponsa Christi kann es nicht geben, und wer diesen Weg offen sieht, der wird nach keinem andern verlangen.“

(ESGA 13, 76f.)

 

„Wir haben früher die Frage aufgeworfen, ob ein prinzipieller Unterschied besteht zwischen der Weihe der Frau zur sponsa Christi und der Weihe des Mannes zum Stellvertreter Christi im Priester- und Ordensstand. Ich glaube, daß da, wo die Übergabe an den Herrn rein und ganz vollzogen ist, bräutliche Liebe der Seele beim Mann wie bei der Frau das Grundlegende sein muß. Und wo zum Ordensberuf nicht das Priestertum hinzukommt, d. h. bei den Laienbrüdern, da wird man sicherlich diese Einstellung um so reiner finden, je weiter sie im inneren Leben fortgeschritten sind.

Für den Priester aber besteht die Verpflichtung, immer wieder gewissermaßen den vertrauten Verkehr mit dem Herrn zu verlassen, um an seiner Stelle und für ihn zu lehren, zu richten, zu kämpfen. Und es ist menschlich begreiflich, wenn dahinter die bräutliche Einstellung zurücktritt, die doch erhalten bleiben muß, wenn das Eintreten für den Herrn wirklich in seinem Geiste geschehen soll. Vielleicht kann man von hier aus einen Zugang zu der geheimnisvollen Tatsache finden, daß Gott die Frauen nicht zum Priestertum berufen hat. Es mag auf der einen Seite als Strafe dafür aufgefaßt werden, daß die erste Auflehnung gegen den göttlichen Willen von einer Frau geschah. Es kann aber auf der anderen Seite als ein besonderer Gnadenvorzug betrachtet werden, daß der Herr die ihm geweihte Braut niemals von seiner Seite lassen will, daß ihr alle Macht in seinem Reich aus der liebenden Vereinigung mit ihm, nicht durch eine übertragene Amtsgewalt zukommen soll: ein Abbild jener innigsten Liebesgemeinschaft, die er je mit einem Menschen eingegangen, der Vereinigung mit der Gottesmutter.“

(ESGA 13, 110)

„Die Welt steht in Flammen. Drängt es dich, sie zu löschen? Schau auf zum Kreuz. Aus dem offenen Herzen quillt das Blut des Erlösers. Das löscht die Flammen der Hölle. Mache dein Herz frei durch die treue Erfüllung deiner Gelübde, dann ergießt sich die Flut der göttlichen Liebe in dein Herz, bis es überströmt und fruchtbar wird bis an alle Grenzen der Erde. Hörst du das Stöhnen der Verwundeten auf den Schlachtfeldern im Westen und Osten? Du bist kein Arzt und keine Schwester und kannst die Wunden nicht verbinden. Du bist eingeschlossen in deiner Zelle und kannst nicht zu ihnen gelangen. Hörst du den Angstruf der Sterbenden? Du möchtest Priester sein und ihnen beistehen. Rührt dich der Jammer der Witwen und Waisen? Du möchtest ein Engel des Trostes sein und ihnen helfen. Schau auf zum Gekreuzigten. Bist du Ihm bräutlich verbunden in treuer Beobachtung deiner heiligen Gelübde, so ist dein Sein kostbares Blut. Ihm verbunden bist du allgegenwärtig wie Er. Nicht hier oder da kannst du helfen wie der Arzt, die Krankenschwester, der Priester. An allen Fronten, an allen Stätten des Jammers kannst du sein in der Kraft des Kreuzes, überallhin trägt dich deine erbarmende Liebe, die Liebe aus dem göttlichen Herzen, überallhin sprengt sie Sein kostbares Blut – lindernd, heilend, erlösend. Die Augen des Gekreuzigten schauen auf dich herab – fragend, prüfend. Willst du aufs neue in allem Ernst den Bund mit dem Gekreuzigten schließen? Was wirst du Ihm antworten? […] Ave, Crux, Spes unica!“

(Ansprache Edith Steins vor ihren Mitschwestern zu Beginn des II. Weltkriegs, „Kreuzerhöhung 14.9.1939“, in: ESGA 20, 121f.)

Religiöse Suche

„Das Übersetzen macht mir rein als solches Freude. Und außerdem ist es sehr schön für mich, mit einem Geist wie Newman in so nahe Fühlung zu kommen, wie es das Übersetzen mit sich bringt. Sein ganzes Leben ist nur ein Suchen nach der religiösen Wahrheit gewesen und hat ihn mit unausweichlicher Notwendigkeit zur katholischen Kirche geführt.“

(ESGA 4, Br. 85, 19.6.1924)

[Nicht von Edith Stein: „Meine Sehnsucht nach der Wahrheit war mein einziges Gebet“; diese Worte wurden Edith Stein in der Biographie von ihrer Novizenmeisterin Teresia Renata de Spiritu Sancto in den Mund gelegt.

Vgl. Teresia Renata de Spiritu Sancto, Edith Stein. Eine große Frau unseres Jahrhunderts, Freiburg 1957, 55.]

„Es freut mich sehr, daß Sie auf religiöse Probleme gestoßen sind. Dann wird sich Ihr Haar auch nicht allzu sehr gesträubt haben ob der ‚Metaphysik‘ in meinem letzten Brief. Ich finde, man rennt an allen Ecken und Enden daran (vom religiösen Erleben einmal ganz abgesehen); es ist unmöglich, eine Lehre von der Person abzuschließen, ohne auf Gottesfragen einzugehen, und es ist unmöglich zu verstehen, was Geschichte ist. Klar sehe ich natürlich da noch gar nicht. Aber sobald die Ideen fertig sind, möchte ich an diese Sachen herangehen. Es sind die Fragen, die mich interessieren. Vielleicht lesen wir zusammen Augustin, wenn Sie wiederkommen?“

(ESGA 4, Br. 9, 20.2.1917)

„Ich erinnere mich ja gut, wie es bei mir war, ehe die Binde von meinen Augen genommen wurde. Da hätte ich ganz ähnliche Dinge sagen können und wäre wohl auch durch keine theoretischen Diskussionen zu belehren gewesen. […] Wenn es Ihnen wirklich Ernst ist mit dem Suchen nach Wahrheit in religiösen Dingen, d. h. mit dem Suchen nach Gott, nicht nach dem Ausweis der religiösen Erfahrung, dann werden Sie zweifellos einen Weg finden. Ich kann Ihnen nur raten, was ich schon einmal schrieb, sich an die Schriften der großen Heiligen und Mystiker zu halten, da haben Sie das beste Quellenmaterial: Das Leben der hl. Theresia von ihr selbst (ich würde nicht empfehlen, mit der Seelenburg anzufangen, obwohl dies das mystische Hauptwerk ist), die Schriften des hl. Johannes vom Kreuz. Kürzlich bekam ich das Geistliche Tagebuch einer modernen Mystikerin in die Hände, das etwas von der klassischen Schlichtheit und bezwingenden Wahrhaftigkeit der hl. Theresia hat. Das französische Original ist, soviel ich weiß, nur als Manuskript gedruckt (herausgegeben von Poulain S. J.); die deutsche Übersetzung von Romano Guardini (Geistliches Tagebuch der Lucie Christine) ist im Buchhandel 1921 erschienen.“

(ESGA 4, Br. 120, 1.1.1928)

„Ich glaube, daß man von religiöser Erfahrung sprechen darf und muß; es handelt sich dabei aber nicht um eine ‚unmittelbare Anschauung‘ Gottes. So etwas kann es nur in ganz ausnahmsweisen Fällen geben (in Ekstasen u. dgl.), wobei aber nie ein strenger Nachweis möglich ist, daß es sich um echte Offenbarung handelt. Der gewöhnliche Weg geht über Wirkungen, die man in sich, an andern und an Begebenheiten etc. in Natur und Menschenleben bemerkt, von denen keine einzige – für sich genommen – so eindeutig auf göttliche Urheberschaft hinweist, daß nicht auch eine andere Erklärung denkbar wäre, die aber jede einen solchen Hinweis in sich enthalten, manche schon in ihrer Isolierung so stark, daß man sich dem nicht entziehen kann, auf jeden Fall aber in ihrem Zusammentreffen so, daß man wohl noch methodisch, aber nicht wirklich zweifeln kann.“

(ESGA 4, Br. 117, 20.11.1927)

„Ob Ihnen Bücher zum näheren Verständnis meines Weges verhelfen können, weiß ich nicht recht. Von dogmatischen Werken hat vor meiner Konversion Möhlers Symbolik einen gewissen Eindruck auf mich gemacht. Erst später lernte ich Scheebens Mysterien des Christentums kennen, die ich sehr liebe und schätze – das erste Werk oder eins von den ersten, das nach der großen Wasserflut des Rationalismus sich wieder ganz entschieden auf den Boden des Übernatürlichen stellte und für die ganze neuere Dogmatik grundlegend geworden ist. Ich weiß aber nicht, ob Ihnen das heute schon viel sein könnte. Es scheint mir, als müßten Sie erst auf intellektuellem Wege bis an die Grenzen der ratio und damit an die Pforten des Mysteriums kommen. Vielleicht könnte Ihnen dabei Newman helfen, obgleich sein Ausgangspunkt ein ganz anderer ist. Jedenfalls schicke ich Ihnen die Briefe und Tagebücher, sobald sie gedruckt sind.“

(ESGA 4, Br. 115, 8.11.1927)

 

Gebete, die tatsächlich von Edith Stein stammen

Heilige Nacht (6.12.1937)
– (für Rosa, zur Erinnerung an den 24.XII.1936)[1]

Mein Herr und Gott,
Du hast mich einen langen, dunklen Weg geführt,
Steinig und hart.
Oft wollten meine Kräfte mir versagen,
Fast hofft’ ich nimmer, je das Licht zu seh’n.
Doch als im tiefsten Schmerz mein Herz erstarrte,
Da ging ein klarer, milder Stern mir auf.
Er führte mich getreu – ich folgt’ ihm,
Zagend erst, dann immer sich’rer.
So stand ich endlich an dem Tor der Kirche.
Es tat sich auf – ich bat um Einlaß.
Aus Deines Priesters Mund grüßt mich Dein Segenswort.
Im Inneren reiht sich Stern auf Stern.
Rote Blütensterne weisen mir den Weg zu Dir.
Sie harren Dein zur Heil’gen Nacht.
Doch Deine Güte
Läßt sie mir leuchten auf dem Weg zu Dir.
Sie führen mich voran.
Das Geheimnis, das ich im Herzen tief verbergen mußte,
Nun darf ich laut es künden:
Ich glaube – ich bekenne!
Der Priester geleitet mich die Stufen zum Altar hinauf:
Ich neige die Stirn –
Das heil’ge Wasser fließt mir übers Haupt.

Ist’s möglich Herr, daß einer neu geboren wird,
Der schon des Lebens Mitte überschritten?
Du hast’s gesagt, und mir ward’s Wirklichkeit.
Eines langen Lebens Last an Schuld und Leiden
Fiel von mir.
Aufrecht empfang’ ich den weißen Mantel,
Den sie mir um die Schultern legen,
Der Reinheit lichtes Bild.

Ich trag’ in meiner Hand die Kerze.
Ihre Flamme kündet,
Daß in mir Dein heil’ges Leben glüht.
Mein Herz ist nun zur Krippe worden,
Die Deiner harrt.

Nicht lange!
Maria, Deine und auch meine Mutter
Hat ihren Namen mir gegeben.
Um Mitternacht legt sie ihr neugebor’nes Kind
Mir in das Herz.

O keines Menschen Herz vermag’s zu fassen,
Was denen Du bereitet, die Dich lieben.
Nun hab’ ich Dich und laß Dich nimmermehr.
Wo immer meines Lebens Straße geht,
Bist Du bei mir,
Nichts kann von Deiner Liebe je mich scheiden.
(ESGA 20, 51-53)

Am Steuer
(Januar 1940)

Herr, stürmisch sind die Wellen
Und dunkel ist die Nacht,
Willst Du sie nicht erhellen
Für mich, die einsam wacht?

Halt fest die Hand am Steuer
Und sei getrost und still.
Dein Schifflein ist mir teuer,
Zum Ziel ich’s lenken will.

Hab nur mit treuen Sinnen
Stets auf den Kompaß acht,
Der hilft das Ziel gewinnen
Durch Stürme und durch Nacht.

Die Nadel zittert leise
Und steht dann wieder still,
Daß Richtung sie Dir weise,
Wohin die Fahrt ich will.

Sei drum getrost und stille:
Es führt durch Sturm und Nacht
Getreu Dich Gottes Wille,
Wenn das Gewissen wacht.

(ESGA 20, 196-97)

[1] Das war Rosas Tauftag in Köln.

Pfingst-Novene (1937)

I.
Wer bist Du, süßes Licht, das mich erfüllt
Und meines Herzens Dunkelheit erleuchtet?
Du leitest mich gleich einer Mutter Hand,
Und ließest Du mich los, so wüßte keinen Schritt ich mehr zu gehen.
Du bist der Raum, der rund mein Sein umschließt und in sich birgt,
Aus Dir entlassen sänk’ es in den Abgrund
Des Nichts, aus dem Du es zum Sein erhobst.
Du, näher mir als ich mir selbst
Und innerlicher als mein Innerstes –
Und doch ungreifbar und unfaßbar
Und jeden Namen sprengend:
Heiliger Geist – Ewige Liebe.

II.
Bist Du das süße Manna nicht,
das aus des Sohnes Herzen in mein Herz überströmt,
Der Engel und der Sel’gen Speise?
Er, der vom Tod zu neuem Leben sich erhob,
Er hat auch mich zu neuem Leben auferweckt
vom Schlaf des Todes,
Und neues Leben gibt Er mir von Tag zu Tag,
Und einst soll seine Fülle mich durchfluten,
Leben von Deinem Leben – ja Du selbst:
Heiliger Geist – Ewiges Leben.

III.
Bist Du der Strahl,
der von des ew’gen Richters Thron herniederzuckt
Und einbricht in die Nacht der Seele,
Die nie sich selbst erkannt?
Barmherzig-unerbittlich dringt er in verborg’ne Falten.
Erschreckt vom Anblick ihrer selbst,
Gewährt sie Raum heiliger Furcht,
Dem Anfang jener Weisheit,
Die aus der Höhe kommt und in der Höhe uns fest verankert,
Deinem Wirken, das neu uns schafft:
Heiliger Geist – alldurchdringender Strahl.

IV.
Bist Du des Geistes Fülle und der Kraft,
Womit das Lamm die Siegel löst
Von Gottes ew’gem Ratschluß?
Von Dir getrieben reiten des Gerichtes Boten durch die Welt
Und scheiden mit scharfem Schwert
Das Reich des Lichtes von dem Reich der Nacht.
Dann wird der Himmel neu und neu die Erde,
Und alles kommt an seinen rechten Ort
Durch Deinen Hauch:
Heiliger Geist – Siegende Kraft.

V.
Bist Du der Meister, der den ew’gen Dom erbaut,
Der von der Erde durch den Himmel ragt?
Von Dir belebt erheben sich die Säulen hoch empor
Und stehen unverrückbar fest.
Bezeichnet mit dem ew’gen Namen Gottes
Recken sie sich hinauf ins Licht
Und tragen die Kuppel, die den heil’gen Dom bekrönend abschließt:
Dein weltumfassendes Werk,
Heiliger Geist – Gottes bildende Hand.

VI.
Bist Du es, der den klaren Spiegel schuf,
Zunächst des Allerhöchsten Thron
Gleich einem Meere von Kristall,
Darin die Gottheit liebend sich beschaut?
Du neigst Dich über Deiner Schöpfung schönstes Werk,
Und strahlend leuchtet Dir Dein eig’ner Glanz entgegen
Und aller Wesen reine Schönheit
Vereinigt in der lieblichen Gestalt
Der Jungfrau, Deiner makellosen Braut:
Heiliger Geist – Schöpfer des Alls.

VII.
Bist Du das süße Lied der Liebe und der heil’gen Scheu,
Das ewig tönt um des Dreifalt’gen Thron,
Das aller Wesen reinen Klang in sich vermählt?
Der Einklang, der zum Haupt die Glieder fügt,
Darin ein jeder seines Seins geheimen Sinn beseligt findet
Und jubelnd ausströmt,
Frei gelöst in Deinem Strömen:
Heiliger Geist – Ewiger Jubel.“

(ESGA 20, 39-42)
Edith Stein

 „Ich bleibe bei Euch …“

(Fronleichnam, 16. Juni 1938)

Du thronest an des Vaters rechter Hand
Im Reiche seiner ew’gen Herrlichkeit
Als Gottes Wort von Anbeginn.

Du herrschest auf dem allerhöchsten Thron
Auch in verklärter menschlicher Gestalt,
Seitdem vollbracht Dein Erdenwerk.

So glaube ich, weil es Dein Wort mich lehrt,
Und weil ich glaube, weiß ich es beglückt,
Und sel’ge Hoffnung draus erblüht:

Denn wo Du bist, da sind die Deinen auch,
Der Himmel ist mein herrlich Vaterland,
Ich teil’ mit Dir des Vaters Thron.

Der Ewige, der alle Wesen schuf,
Der, dreimal heilig, alles Sein umfaßt,
Hat noch ein eig’nes stilles Reich.

Der Menschenseele innerstes Gemach
Ist des Dreifalt’gen liebster Aufenthalt,
Sein Himmelsthron im Erdenland.

Dies Himmelreich aus Feindeshand zu lösen,
Ist Gottes Sohn als Menschensohn gekommen,
Er gab sein Blut als Lösepreis.

Im Herzen Jesu, das durchstochen ward,
Sind Himmelreich und Erdenland verbunden,
Hier ist für uns des Lebens Quell.

Dies Herz ist der Dreifalt’gen Gottheit Herz
Und aller Menschenherzen Mittelpunkt,
Das uns der Gottheit Leben spendet.

Es zieht uns an sich mit geheimer Macht,
Es birgt in sich uns in des Vaters Schoß
Und strömt uns zu den Heil’gen Geist.

Dies Herz, es schlägt für uns im kleinen Zelt,
Wo es geheimnisvoll verborgen weilt,
In jenem stillen, weißen Rund.

Das ist Dein Königsthron, o Herr, auf Erden,
Den sichtbar Du für uns errichtet hast,
Und gerne siehst Du mich ihm nah’n.

Du senkst voll Liebe Deinen Blick in meinen
Und neigst Dein Ohr zu meinen leisen Worten
Und füllst mit Frieden tief das Herz.

Doch Deine Liebe findet kein Genügen
In diesem Austausch, der noch Trennung läßt:
Dein Herz verlangt nach mehr.

Du kommst als Frühmahl zu mir jeden Morgen,
Dein Fleisch und Blut wird mir zu Trank und Speise
Und Wunderbares wird gewirkt.

Dein Leib durchdringt geheimnisvoll den meinen,
Und Deine Seele eint sich mit der meinen:
Ich bin nicht mehr, was einst ich war.

Du kommst und gehst, doch bleibt zurück die Saat,
Die Du gesät zu künft’ger Herrlichkeit,
Verborgen in dem Leib von Staub.

Es bleibt ein Glanz des Himmels in der Seele,
Es bleibt ein tiefes Leuchten in den Augen,
Ein Schweben in der Stimme Klang.

Es bleibt das Band, das Herz mit Herz verbindet,
Der Lebensstrom, der aus dem Deinen quillt
Und jedes Glied belebt.

Wie wunderbar sind Deiner Liebe Wunder,
Wir staunen nur und stammeln und verstummen,
Weil Geist und Wort versagt.

(ESGA 20, 179-182)

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