Bericht über die Jahreskonferenz der ESGD in Augsburg

Im Oktober 1999 unterzeichneten Kardinal Edward Idris Cassidy für die römisch-katholische Kirche und Bischof Christian Krause für den Lutherischen Weltbund in der St. Anna Kirche die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre. In diesem zentralen Dokument der weltweiten Ökumene wird festgestellt, dass die Lehre von der Rechtfertigung, das Kernstück lutherischer Theologie, nicht kirchentrennend, sondern tragfähig ist. Daher lag es nahe, die Jahrestagung der ESGD in Augsburg dem Thema der Ökumene sowie dem theologischen Nachdenken über den Begriff der Gnade zu widmen. Im ersten Hauptvortrag widmete sich Prof. Dr. Dennebaum den Überlegungen von Edith Stein zu Freiheit und Gnade sowie der neuen Sehnsucht nach Gott und der Frage: Warum eigentlich Gnade? Edith Stein, die am 24./25. Juli 1932 in Augsburg vor rund 1000 Mädchen sprach, hat in ihrem Text „Freiheit und Gnade“ – noch vor ihrer Taufe – eindrucksvoll über Fragen der Individualität und Freiheit des Menschen sowie über das Wirken der Gnade Gottes im Menschen nachgedacht.Im zweiten Hauptvortrag ging Prof. Dr. Heckel auf die Bedeutung der Gnade in der Tradition Martin Luthers und für die Ökumene ein. Dabei beleuchtete er auch, was Gnade aus Sicht der reformierten Kirche bedeutet und veranschaulichte die Relevanz des Neuen Testamentes für alle christlichen Konfessionen und ihrem überkonfessionellen Dialog.Als Respondenten brachten Thomas Stil aus der Erzdiözese Freiburg und Dr. Daniela Köder von der ESGÖ jeweils eigene Impulse in die Diskussion ein.Bischof Dr. Bertram Meier stellte sich in einem Gespräch den Fragen der Teilnehmenden. Er berichtete von seinen persönlichen Erfahrungen mit der Ökumene in der eigenen Familie und weitete zugleich den Blick: Ökumene beschränkt sich nicht nur auf die in Deutschland oft im Fokus stehende Beziehung zwischen katholischer und evangelischer Kirche, sondern umfasst ebenso den Dialog mit der orthodoxen, anglikanischen und koptischen Kirche.Besonders feierlich war die Pontifikalvesper mit einigen Liedern aus der Kantate zu Ehren von Edith Stein. Die Kantate, verfasst von Sr. M. Adele Herrmann OP, wurde anlässlich der Seligsprechung von Edith Stein im Jahr 1987 im Speyerer Dom uraufgeführt. Auch der Sonntagsgottesdienst mit Weihbischof Florian Wörner in der Basilika St. Ulrich war ein erhebendes Erlebnis. Als besonderes Willkommensgeschenk empfanden wir, dass die Berührungsreliquie von Edith Stein vor dem Altar zur Verehrung ausgestellt war.Eine Stadtführung, die Begrüßung der Vertreter der Edith Stein Stichting Niederlande und der Edith-Stein-Gesellschaft Österreich (ESGÖ) sowie gemeinsame Zeit für Gespräche an den Abenden rundeten die eindrucksvolle Tagung ab. Auch die Lesegruppen trugen zur intensiven Arbeitsatmosphäre bei, so dass alle Teilnehmenden gestärkt und ermutigt in ihre jeweiligen Wirkungsfelder zurückkehrten.

Dr. Pia Lilienstein

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